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KEIN HUNGER BIS 2030:

 

GESUNDHEIT UND NACHHALTIGE ERNÄHRUNGSSYSTEME ZUSAMMEN DENKEN


   
Foto: AFP/Tauseef Mustafa 2020; Eine Gemüsehändlerin wartet am Ufer des Dal-Sees in Srinangar, Kaschmir, im Juli 2020 auf Kund*innen. Ausblenden

Kennzahlen

690
Millionen

Menschen sind unterernährt

144
Millionen

Kinder sind aufgrund chronischer Unterernährung wachstumsverzögert

47
Millionen

Kinder leiden an Auszehrung – ein Zeichen akuter Unterernährung

5,3
Millionen

Kinder starben im Jahr 2018 vor ihrem fünften Geburtstag, häufig infolge von Unterernährung

 

Kernbotschaften

Die Welt ist nicht auf Kurs, das Ziel “Kein Hunger bis 2030” zu erreichen:

Der Welthunger-Index (WHI) 2020 zeigt, dass Hunger und Unterernährung global betrachtet seit dem Jahr 2000 sukzessive zurückgegangen ist. Obwohl in der Vergangenheit Fortschritte erzielt wurden, leiden zu viele Menschen immer noch unter Hunger. Vielerorts gehen die Fortschritte zu langsam voran, sodass die Hungersituation dort kritisch bleibt. Diese Länder und Regionen sind besonders anfällig für eine Verschärfung der Ernährungsunsicherheit durch die diesjährigen Gesundheits-, Wirtschafts- und Umweltkrisen.

Ranking 2020 »

2. Aktuelle Krisen bedrohen zahlreiche Länder:

Zusätzlich zu bestehendem Hunger aufgrund von Konflikten und Klimaextremen, verschärfen die Covid-19-Pandemie, ihre wirtschaftlichen Folgen und die verheerende Heuschreckenplage am Horn von Afrika die Ernährungsunsicherheit von Millionen Menschen.

Weltkarte »

3. Zu wenig Fortschritte, vielerorts Ruckschläge:

Die Hungersituation in elf Ländern wird als sehr ernst eingestuft.

Ranking 2020 »

4. Große regionale Unterschiede:

Mit einem durchschnittlichen WHI-Wert von 18,2 sind Hunger und Unterernährung weltweit als mäßig einzustufen, nachdem der Wert im Jahr 2000 noch 28,2 betrug und in die Kategorie ernst fiel. Sowohl in Afrika südlich der Sahara als auch in Südasien ist die Hungersituation ernst, was zum Teil auf den hohen Anteil unterernährter Menschen und beträchtliche Wachstumsverzögerungsraten bei Kindern zurückzuführen ist.

Trends: Global, Regional, National »

5. Ernährung und Gesundheit gefährlich fragmentiert:

Der One-Health-Ansatz verdeutlicht, wie sehr unsere aktuellen Herausforderungen miteinander verknüpft sind und dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ebenso wie gerechte Handelsbeziehungen ganzheitlich betrachtet werden müssen.

One Health, Zero Hunger »

6. Umgestaltung der Ernährungssysteme notwendig:

Die aktuellen sich überschneidenden Krisen zeigen, dass unsere globalen Ernährungssysteme unfair sind und die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt bedrohen. Sie sind ungeeignet die aktuellen Krisen zu bewältigen und den Hunger bis 2030 zu beenden. Um das Recht auf Nahrung für alle zu gewährleisten und den Hunger zu beenden, ist ein integrierter Ansatz für Gesundheit und Ernährungssicherheit erforderlich. Einige Maßnahmen sind sofort zu ergreifen, wie etwa die Einstufung der Nahrungsmittelproduktion und -versorgung als unverzichtbare Dienstleistungen und die Einbeziehung von Gemeinschaftsorganisationen in die Umsetzung sozialer Sicherungsprogramme. Andere müssen im folgenden Jahrzehnt und darüber hinaus in Angriff genommen werden.

One Health, Zero Hunger »

7. Wir müssen umdenken...

...wie wir Nahrung produzieren, verarbeiten, vermarkten, konsumieren und Lebensmittelabfälle und -verlust reduzieren, während wir versuchen, die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und ihrer gemeinsamen Umwelt zu verbessern.

Handlungsempfehlungen »


Länderstudien

In the province of Nord-Kivu, Democratic Republic of the Congo, participants cook and eat together after a workshop on new methods of cultivating vegetables.

Eine eingehendere Betrachtung von Hunger und Unterernährung in DR Kongo

Mit einer riesigen Fläche, einer großen Bevölkerung und enormen Rohstoffvorkommen verfügt die DR Kongo über immenses wirtschaftliches Potenzial, aber in den letzten Jahren behinderten Kriege und wiederkehrende Konflikte die Entwicklung... Weiterlesen

Children on their way to school in Salyan district, West Nepal.

Eine eingehendere Betrachtung von Hunger und Unterernährung in Nepal

Nepal ist ein ethnisch diverser Staat in Südasien mit einer Bevölkerung von 28 Millionen Menschen, der zahlreiche demografische Veränderungen durchlebt... Weiterlesen

One Health, Zero Hunger

Theme von Robyn Alders, Osman Dar, Richard Kock and Francesco Rampa, Chatham House, Oktober 2020

2020 – Ein Jahr, wie es wohl niemand vorhersehen konnte, und dennoch in vielerlei Hinsicht die Kulmination jahrzehntelanger Prognosen.

Das Versäumnis, auf Warnungen vor der Entstehung neuer viraler Krankheitserreger zu reagieren, hat zu dem enormen Ausmaß der Covid-19-Pandemie und ihrer Folgen beigetragen. Unterdessen führt menschliches Handeln zu immer häufigeren und schwereren Extremwetterereignissen, Biodiversitätsverlust, Entwaldung und Bodendegradation... Weiterlesen

Foto: Welthungerhilfe/Kai Loeffelbein 2017; Julius Lahai kontrolliert einen Kakaobaum auf seiner Plantage in Talia, Sierra Leone. Unterernährung ist in den ländlichen Gebieten des Landes weitverbreitet, obwohl dort angebauter Kaffee und Kakao stark nachgefragt werden. Nachhaltige Agroforstsysteme helfen Kleinbäuerinnen und -bauern, alte Plantagen wiederzubeleben, ihre Produkte für den Export zu optimieren und ihren Anbau für eine verbesserte Ernährung zu diversifizieren. Ausblenden

Countries with Alarming Levels of Hunger

Chad

Chad

Tschad hat den höchsten WHI-Wert der Länder, für die ausreichende Daten vorlagen; mit 44,7 fällt er in die Kategorie sehr ernst. Die Ernährungsunsicherheit in Tschad wird durch regionale Konflikte, häufige Dürren, begrenzte Einkommensmöglichkeiten und einen eingeschränkten Zugang zu Sozialversorgung verursacht Weiterlesen

Timor-Leste

Timor-Leste

Timor-Lestes WHI-Wert von 37,6 ist der zweithöchste im diesjährigen Bericht und signalisiert ein sehr ernstes Hungerniveau. Eine Reihe von Faktoren tragen in Timor-Leste zu chronischer Ernährungsunsicherheit bei: Die landwirtschaftliche Produktivität ist gering; die Nahrungsaufnahme der Menschen ist qualitativ wie quantitativ unzureichend Weiterlesen

 
Burundi

Burundi

Die Hungersituation in Burundi wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

DRC

DR Kongo

Die Hungersituation in DR Kongo wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

 
Yemen

Jemen

Die Hungersituation in Jemen wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

Comoros

Komoren

Die Hungersituation in Komoren wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

 
Madagascar

Madagascar

Madagaskars WHI-Wert von 36,0 ist der dritthöchste im diesjährigen Ranking und zeigt ebenfalls eine sehr ernste Hungersituation an. Die Verbreitung von Unterernährung im Land ist von 30,0 Prozent im Zeitraum 2009 bis 2011 auf 41,7 Prozent in der Zeit von 2017 bis 2019 eklatant angestiegen. Weiterlesen

Somalia

Somalia

Die Hungersituation in Somalia wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

 
South Sudan

Südsudan

Die Hungersituation in Südsudan wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

Syria

Syrien

Die Hungersituation in Syrien wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

 
Timor-Leste

Zentralafrikanische Republik

Die Hungersituation in Zentralafrikanische Republik wird vorläufig als sehr ernst eingestuft. Weiterlesen

Handlungsempfehlungen

Nachhaltige Ernährungssysteme schaffen
  • Um kleinbäuerliche Betriebe dabei zu unterstützen, nachhaltig und diversifiziert zu produzieren, müssen Regierungen und Geldgeber deren Zugang zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln und Beratungsdiensten verbessern sowie lokale und indigene landwirtschaftliche Kenntnisse mit neuen Technologien kombinieren.
  • Lokale und regionale Nahrungsmittelmärkte sollten gestärkt werden, insbesondere durch die Unterstützung der Selbstorganisation von Landwirt*innen, faire Erzeugerpreise und bessere Verbindungen zwischen ländlichen und städtischen Gebieten.
  • Nahrungsmittelpreise sollten nicht nur auf Gewicht oder Volumen, sondern auch auf Nährstoffdichte, Schadstofffreiheit sowie dem Beitrag zu ökosystemleistungen und sozialer Gerechtigkeit basieren. Politische Entscheidungsträger*innen sollten die öffentlichkeit über die Bedeutung dieser Merkmale informieren und eine entsprechende Kennzeichnung verlangen. Um die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten in der Landwirtschaft einzudämmen, müssen Regierungen sachgemäße Biosicherheitsmaßnahmen in der gesamten Wertschöpfungskette fördern.
  • Alle Länder sollten zirkuläre Ernährungswirtschaften fördern, weiterentwickeln und implementieren, sodass Ressourcen recycelt, Abfälle und Umweltverschmutzung eliminiert werden und sich natürliche Systeme regenerieren.
Das Management von Ernährungssystemen verbessern
  • Akteure des Ernährungssystems müssen gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte entlang der gesamten Wertschöpfungskette für die Einhaltung der Menschenrechte und des Umweltschutzes rechtlich haftbar gemacht werden.
  • Regierungen und Investoren müssen im Einklang mit den „Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Verwaltung von Land, Fischgründen und Wäldern im Rahmen nationaler Ernährungssicherheit“ (VGGT) eine integrierte Flächennutzungsplanung sowie die Landrechte marginalisierter Gruppen gewährleisten.
  • Regierungen müssen lokale und partizipative Regierungsführung fördern, die marginalisierte Gruppen wie Kleinbäuerinnen und -bauern, Indigene, Jugendliche und Frauen einbindet.
Sozialinvestitionen steigern und Resilienz stärken
  • Regierungen müssen soziale Sicherungssysteme mit universeller Gesundheitsversorgung und sozialer Grundsicherung aufbauen sowie Berufsbildung speziell für Jugendliche auf dem Land und arme Stadtbewohner*innen anbieten. Die gesundheitliche Versorgung von Mutter und Kind muss verbessert sowie Ernährungsbildung und eine angemessene Ernährungspraxis bei Säuglingen und Kleinkindern gefördert werden.
  • Zugang zu Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) muss als Kernkomponente der Gesundheitsförderung anerkannt werden. Regierungen sollten ganzheitliche Ansätze fördern, die lokale und landesweite WASH-Systeme integrieren.
  • Regierungen, Geldgeber und Nichtregierungsorganisationen müssen mit lokalen Organisationen zusammenarbeiten, die von den Gemeinden anerkannt und kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass soziale Sicherungsprogramme optimal funktionieren und Geschlechtergerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt fördern.
Gerechter und nachhaltiger unterstützen
  • Staatliche, private und zivilgesellschaftliche Akteure sollten ihre Interventionen bei sich überschneidenden Ernährungs- und Gesundheitskrisen sorgfältig koordinieren und mit gemeindebasierten Organisationen zusammenarbeiten, damit die Interventionen kulturell angemessen sind, die gefährdetsten Menschen erreicht und lokale ökosysteme erhalten werden.
  • Regierungen müssen Nahrungsmittelproduktion und -versorgung als unverzichtbare Dienstleistungen einstufen und in diesen Sektoren sichere Arbeitsbedingungen garantieren. Sie müssen einen gleichberechtigten Zugang zu Soforthilfe bei Krankheiten von Mensch und Tier, einschließlich neuer Technologien und medizinischer Versorgung, sicherstellen.
  • Zur Unterstützung lokaler Nahrungsmittel-Lieferketten müssen Empfängerbehörden stärker von der Auflage entbunden werden, Nahrungsmittelhilfe ausschließlich aus dem Geberland zu beziehen. Akteure der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sollten Unterstützung möglichst in Form von Geldleistungen und Gutscheinen bereitstellen.
  • Damit Hunger erfasst und adressiert werden kann, müssen Regierungen aktuelle, umfassende und nach Einkommen, Ort und Geschlecht aufgeschlüsselte Daten erheben.
Multilateralismus stärken
  • Handelsungerechtigkeiten, wie etwa nichttarifäre Handelshemmnisse einkommensstarker Länder, müssen beseitigt werden. Staatliche Handelspolitik sollte sich an den Entwicklungszielen ausrichten und Anreize für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft schaffen.
  • Bestehende menschenrechtsbasierte multilaterale Mechanismen und internationale Standards, wie etwa der Ausschuss für Welternährungssicherheit, müssen gestärkt werden, um inklusive Politikgestaltung und nachhaltige Ernährungssysteme zu unterstützen.
  • Regierungen müssen künftige Gelegenheiten, wie etwa den UNGipfel für Ernährungssysteme, nutzen, um eine gerechte und nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.

 

Impressum

Empfohlene Zitierweise: K. von Grebmer, J. Bernstein, R. Alders, O. Dar, R. Kock, F. Rampa, M. Wiemers, K. Acheampong, A. Hanano, B. Higgins, R. Ní Chéilleachair, C. Foley, S. Gitter, K. Ekstrom und H. Fritschel. 2020. Welthunger-Index 2020: Kein Hunger bis 2030: Gesundheit und nachhaltige Ernährungssysteme zusammen denken. Bonn: Welthungerhilfe und Dublin: Concern Worldwide.

Deutsche
Welthungerhilfe e. V.

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Tel. +49 228-2288-0
Fax +49 228-2288-333
www.welthungerhilfe.de

Concern
Worldwide

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52-55 Lower Camden Street
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Fax +353 1-475-7362
www.concern.net


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